Entschuldigung, dass ich so viel erzähle.

Ein offenes Ohr kann viel bewirken.

18. September 2026

Diesen Satz höre ich in unseren Praxen immer wieder. Eigentlich kommt jemand zu uns, weil der Rücken schmerzt, der Nacken ständig verspannt ist, der Schlaf nicht mehr richtig funktioniert oder eine körperliche Beschwerde einfach nicht besser werden will. Wir beginnen mit der Behandlung und irgendwann frage ich ganz nebenbei: „Wie geht es dir denn sonst so?“ Manchmal reicht genau diese eine Frage.

Plötzlich beginnt jemand zu erzählen. Von Sorgen, von einem Menschen, der fehlt, von der Familie, von Ängsten oder von Dingen, die schon lange schwer auf der Seele liegen. Und irgendwann kommt dann dieser entschuldigende Satz: „Entschuldigung, dass ich so viel erzähle.“

Ich finde diesen Satz jedes Mal traurig, denn manchmal erzählt er mir noch etwas ganz anderes. Vielleicht davon, wie viel dieser Mensch sonst mit sich alleine ausmacht und wie selten es einen Ort gibt, an dem einfach einmal jemand zuhört.

Einsamkeit begegnet uns in unseren Praxen immer wieder. Manchmal ist sie ganz offensichtlich, zum Beispiel bei älteren Menschen, deren Partner verstorben ist oder deren Kinder weit entfernt leben und zwischen Beruf, eigener Familie und Alltag nicht so oft da sein können, wie es vielleicht schön wäre. Es gibt Menschen, bei denen die Tage lang geworden sind und die viel Zeit alleine verbringen.

Aber Einsamkeit braucht keine leere Wohnung. Man kann einen Partner haben und trotzdem einsam sein. Man kann Familie haben, Freunde und Menschen, die einen umgeben, und trotzdem niemanden haben, dem man wirklich erzählen kann, was einen bewegt.

Denn echtes Zuhören ist etwas anderes, als miteinander zu reden. Es bedeutet, für einen Moment wirklich bei einem anderen Menschen zu bleiben, nicht sofort nach einer Lösung zu suchen, nicht zu bewerten und auch nicht schnell zu sagen: „Das wird schon wieder.“ Manchmal bedeutet es einfach auszuhalten, dass etwas gerade schwer ist, und ein kleines Stück davon gemeinsam mitzutragen.

Ich glaube, dass viele Menschen unglaublich viel alleine tragen. Sorgen, von denen niemand weiß, Trauer, über die kaum noch gesprochen wird, Ängste, mit denen sie abends ins Bett gehen, und Gedanken, die immer wieder im Kreis laufen. Und manchmal begegnet uns all das nicht zuerst in einem Gespräch, sondern in einem Körper, der irgendwann beginnt, darauf zu reagieren. In Schultern, die kaum noch loslassen können. In einem Nacken, der immer wieder verspannt. In einem Körper, der müde geworden ist.

Natürlich behandeln wir den Muskel. Wir arbeiten mit unseren Händen, versuchen Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit zurückzugeben. Aber manchmal merken wir während einer Behandlung, dass dieser Mensch heute vielleicht noch etwas anderes braucht: Zeit, ein offenes Ohr und eine Frage, die nicht nur lautet: „Wo tut es weh?“, sondern ganz einfach: „Wie geht es dir?“ Und dann vielleicht einfach zuhören.

Wir können die Einsamkeit eines Menschen nicht wegbehandeln. Wir können einen verstorbenen Partner nicht zurückbringen, Familien nicht näher zusammenrücken lassen und Probleme nicht einfach lösen. Aber für diese eine Stunde, für diesen einen Moment, muss ein Mensch vielleicht nicht alles alleine tragen.

Vielleicht ist genau das ein Teil dessen, was unsere Arbeit bei Naturheilpraxis ohne Grenzen ausmacht. Wir behandeln nicht nur den Körper, sondern begegnen dem Menschen, der vor uns sitzt. Mit allem, was zu ihm gehört – auch mit den Dingen, die manchmal gar nicht ausgesprochen werden.

Und wenn am Ende wieder jemand sagt: „Entschuldigung, dass ich so viel erzählt habe“, dann möchte ich am liebsten antworten: Du musst dich nicht entschuldigen.

Vielleicht brauchte heute nicht nur dein Rücken ein bisschen Aufmerksamkeit. Vielleicht brauchtest du einfach jemanden, der dir zuhört.

Und dafür war Zeit. 🧡