Bis nächste Woche
Warum ein „Bis nächste Woche“ für manche Menschen viel mehr bedeuten kann, als wir denken.
18. September 2026
Diesen Satz sagen wir in unseren Praxen ziemlich oft. Manche unserer Patientinnen und Patienten kommen immer wieder – Woche für Woche oder regelmäßig über viele Monate hinweg. Mal geht es um den Rücken, dann um das Knie oder den Nacken, manchmal kommt noch etwas anderes dazu. Und irgendwann habe ich mich dabei ertappt, dass ich mich gefragt habe, ob es denn wirklich immer wieder eine Behandlung braucht und warum es scheinbar jedes Mal ein neues körperliches Thema gibt.
Auch unseren Assistenzen fällt natürlich auf, wenn Menschen regelmäßig zu uns kommen. Sie kennen längst die Gesichter, wissen, wer wahrscheinlich wieder vor der Tür stehen wird, wer gerne zu welchem Therapeuten möchte und wer unsere Sprechstunden inzwischen zu einem festen Bestandteil seines Lebens gemacht hat.
Dabei sind unsere wenigen Praxisstunden oft rappelvoll. Viele Menschen warten, unsere Assistenzen versuchen, alles zu koordinieren, und unsere Therapeutinnen und Therapeuten möchten jedem Menschen gerecht werden. Gerade dann kann es passieren, dass man innerlich kurz denkt: Muss diese Behandlung heute wirklich sein?
Manchmal hilft es mir, in solchen Momenten meinen Blick zu verändern. Vielleicht geht es gar nicht nur um den Rücken. Vielleicht geht es auch darum, einen Ort zu haben, an dem jemand den eigenen Namen kennt. Einen Ort, an dem vertraute Gesichter warten und jemand fragt: „Wie geht es dir heute?“ Vielleicht erinnert sich sogar jemand daran, was beim letzten Besuch erzählt wurde.
Wir wissen nicht, was ein Abend in unserer Praxis für den einzelnen Menschen bedeutet, und wir sollten auch nicht vorschnell eine Geschichte dahinter vermuten. Nicht jeder Mensch, der regelmäßig kommt, ist einsam oder hat niemanden. Aber wir sehen, dass manche unserer Patientinnen und Patienten immer wiederkommen, dass sie sich auf unsere Sprechstunden einstellen und dass unsere Praxis für sie offenbar zu etwas Vertrautem geworden ist.
Und dann fällt mir wieder ein, dass es bei uns natürlich um Medizin geht – aber eben nicht nur. Es geht auch um Begegnung, um Vertrauen und um Verlässlichkeit. Es geht darum, dass jemand hereinkommt und das Gefühl hat, nicht einfach nur eine Nummer auf einer Warteliste zu sein. Vielleicht ist genau dieses Gefühl, gesehen und willkommen zu sein, für manche Menschen genauso wichtig wie die Behandlung selbst.
Vielleicht ist nicht jede Behandlung medizinisch zwingend notwendig. Aber vielleicht ist die Begegnung an diesem Abend trotzdem wichtig. Vielleicht kommt jemand tatsächlich wegen des Rückens. Vielleicht kommt er aber auch ein kleines bisschen, weil er weiß: Dort kennt man mich. Dort darf ich sein. Dort bin ich willkommen.
Daran denke ich besonders dann, wenn die Sprechstunde wieder rappelvoll ist, die Warteliste lang und ein bekanntes Gesicht zum wiederholten Mal vor mir steht. Denn nicht jeder Mensch, der zu uns kommt, braucht immer nur eine Behandlung. Manchmal braucht ein Mensch auch einen Ort, an dem er sich für eine Weile aufgehoben fühlt.
Und vielleicht sind wir für manche genau das geworden: ein kleiner, vertrauter Ort in ihrem Leben.
Deshalb bedeutet „Bis nächste Woche“ für mich inzwischen manchmal viel mehr als nur die Verabschiedung am Ende einer Behandlung.
Es kann auch heißen: Du darfst wiederkommen. Wir kennen dich. Und hier ist ein Platz für dich. 🧡