Zwei Jungen

Zwei Jungen mit Behinderung – und ein Buggy, der ihre Welt größer macht

11. Oktober 2026

Shayawar und Ajur sind zwei ganz besondere kleine Jungen. Beide kommen mit einer Zerebralparese zur Welt, ausgelöst durch Komplikationen während der Geburt. Wir besuchen die beiden mehrfach in ihren Familien im Slum von Kolkata und lernen dabei nicht nur zwei neugierige, zugewandte Kinder kennen, sondern auch ihre Mütter, die jeden Tag mit großen Herausforderungen leben.

Die Versorgung eines Kindes mit einer Behinderung ist ohnehin anspruchsvoll. Unter den Lebensbedingungen im Slum wird sie zu einer besonderen Belastung. Unterstützung und Verständnis sind für die Mütter nicht selbstverständlich. Beide erzählen uns von Erfahrungen, die uns sehr nahegehen: Im Krankenhaus werden ihre Kinder von Ärzten und Pflegekräften kaum berührt. Stattdessen erklären die Mitarbeitenden den Müttern, wie sie ihre Kinder selbst versorgen sollen. Eine Mutter berichtet außerdem, dass ihre Schwiegereltern ihren Sohn bei Besuchen nur mit Einmalhandschuhen anfassen.

Beide Frauen kümmern sich liebevoll um ihre Jungen und versuchen, ihnen unter schwierigen Bedingungen alles zu geben, was sie brauchen. Dabei sind sie mit vielen Sorgen oft ziemlich allein.

Shayawar und Ajur verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in den dunklen, engen Hütten ihrer Familien. Sie nach draußen mitzunehmen, ist für ihre Mütter körperlich kaum zu bewältigen. Die Jungen werden größer und schwerer, und der Weg durch die engen Gassen des Slums ist beschwerlich. Beide Mütter wünschen sich deshalb einen Rollstuhl für ihre Kinder.

Gemeinsam überlegen wir, welche Lösung im Alltag wirklich hilfreich ist. Ein Rollstuhl ist schwer und in den engen, unebenen Gassen des Slums nur schwer zu bewegen. Deshalb entscheiden wir uns für eine andere Möglichkeit: Beide Jungen bekommen einen speziell für ihre Bedürfnisse geeigneten Buggy. So können ihre Mütter die Kinder leichter nach draußen bringen und sie am Leben vor der Hütte teilhaben lassen.

Zusätzlich zeige ich den Müttern physiotherapeutische Übungen und Massagen, mit denen sie ihre Jungen im Alltag unterstützen können. Ein Mixer gehört ebenfalls zu unserer Unterstützung. Damit können sie Obst und Gemüse pürieren und ihren Kindern eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche Nahrung anbieten.

Dann kommt der große Moment: Die Buggys sind da, und wir dürfen dabei sein, als Shayawar und Ajur zum ersten Mal mit ihren Müttern vor die Hütte kommen.

Was dann passiert, ist wunderschön. Die anderen Kinder entdecken die beiden Jungen sofort. Sie kommen neugierig näher, beginnen mit ihnen zu spielen und schieben die Buggys begeistert hin und her. Auf einmal sind Shayawar und Ajur mittendrin. Die beiden erleben, was für andere Kinder selbstverständlich ist: draußen sein, andere Kinder treffen und gemeinsam Zeit verbringen.

Wir freuen uns riesig über diesen Moment. Denn die Buggys ermöglichen den Müttern mehr Bewegungsfreiheit und den Jungen neue Erfahrungen außerhalb ihrer dunklen Hütten. Vielleicht beginnt damit auch ein Stück mehr Gemeinschaft im Alltag.

Möglich wird das durch Menschen, die unsere Arbeit unterstützen und solche Anschaffungen finanzieren. Deshalb möchten wir uns von Herzen bei unserer Spenderin bedanken, die die beiden Buggys ermöglicht. Ihre Unterstützung schenkt zwei Kindern und ihren Müttern ganz konkrete neue Möglichkeiten.

Shayawar und Ajur sind zwei zauberhafte Jungen, die uns mit ihrer Neugier und ihrer offenen Art begegnen. Ihre Mütter lieben sie und setzen sich jeden Tag für sie ein. Was sie brauchen, ist Unterstützung, Verständnis und die Möglichkeit, mit ihren Kindern am Leben außerhalb der eigenen vier Wände teilzunehmen.