Zwei kleine Herzen, die heute meines gestohlen haben

Zwei kleine Herzen, die heute meines gestohlen haben

24. September 2026

Heute habe ich in Kolkata zwei ganz besondere kleine Menschen kennengelernt. Zwei Jungs, sieben und acht Jahre alt. Zwei strahlende Gesichter, zwei ganz eigene Persönlichkeiten und zwei kleine Herzen, die meines heute im Sturm erobert haben.

Sheiyawas und Ajur. ❤️

Beide Jungen sind mit einer Zerebralparese zur Welt gekommen. Komplikationen während der Geburt haben ihr Leben und das ihrer Familien von Anfang an vor besondere Herausforderungen gestellt. Heute durften wir sie zu Hause besuchen, ihre Familien kennenlernen und ein kleines Stück ihres Alltags miterleben.

Und was soll ich sagen? Diese beiden Jungs sind einfach bezaubernd. So süß, so charmant und jeder auf seine ganz eigene Art besonders. Es sind Begegnungen wie diese, die mich daran erinnern, warum ich immer wieder nach Kolkata komme.

Zwei Kinder. Zwei Familien. Ganz unterschiedliche Bedürfnisse.

In den nächsten Tagen werde ich den Mamas einfache physiotherapeutische Übungen zeigen. Übungen, die sie mit ihren Kindern zu Hause durchführen können, um einer weiteren Verkürzung und Versteifung der Muskulatur entgegenzuwirken und die Beweglichkeit so gut wie möglich zu erhalten.

Wir möchten für beide Jungen einen Kinderrollstuhl organisieren. Denn Mobilität bedeutet so viel mehr, als nur von A nach B zu kommen. Sie bedeutet, nach draußen zu können, andere Kinder zu sehen, am Leben teilzunehmen und die Welt ein Stück weit selbst zu entdecken.

Ajur ist ein unglaublich neugieriger kleiner Junge. Er möchte so gerne nach draußen, zu den anderen Kindern. Man kann ihm förmlich ansehen, wie viel er von der Welt entdecken möchte. Ein Standing Board könnte ihm dabei helfen, eine aufrechtere Position einzunehmen und neue Erfahrungen zu sammeln. Deshalb werden wir uns auch danach umschauen.

Ob wir in Kolkata passende Hilfsmittel finden? Das müssen wir herausfinden.

Mit Abhijit auf Einkaufstour

In den nächsten Tagen werde ich mich gemeinsam mit Abhijit auf den Weg nach Kolkata City machen. Dort gibt es einen Medizinshop, in dem wir jedes Jahr auch Hilfsmittel für unsere Patientinnen und Patienten einkaufen.

Und Abhijit? Der ist ein echtes Verhandlungstalent. Er handelt für uns immer gute Preise aus. Das ist wichtig, denn wir möchten mit den Spenden, die wir erhalten, möglichst viel bewirken. Gute Hilfsmittel für die Kinder und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Geld unserer Spenderinnen und Spender gehören für uns zusammen.

Wir werden schauen, welche Kinderrollstühle geeignet sind, ob wir ein Standing Board finden und welche Möglichkeiten es für die Versorgung der beiden Jungen gibt.

Wenn Kekse zur täglichen Ernährung werden

Bei Sheiyawas beschäftigt uns zusätzlich ein ganz wichtiges Thema: seine Ernährung.

Der kleine Junge wird bisher hauptsächlich mit Keksen ernährt, die in Wasser oder Milch eingeweicht werden. Eine Ernährung, die seinen Bedarf an Energie, Eiweiß und wichtigen Nährstoffen vermutlich nicht ausreichend deckt. Er darf gerne ein bisschen an Gewicht zulegen, und wir möchten seine Mama dabei unterstützen, ihm eine abwechslungsreichere und nährstoffreichere Ernährung zu ermöglichen.

Wir werden deshalb einen Mixer oder Blender besorgen. Damit können wir der Mama zeigen, wie sie beispielsweise Obst, Gemüse und – je nach Verträglichkeit und geeigneter Zubereitung – auch Chicken zu einer gut schluckbaren Mahlzeit verarbeiten kann.

Außerdem schauen wir nach einer geeigneten ergänzenden Kindernahrung mit Proteinen und Vitaminen. Dabei ist uns wichtig, dass die Ernährung zu seinen individuellen Bedürfnissen passt und medizinisch beziehungsweise ernährungsfachlich begleitet wird.

Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles zu verändern. Es geht darum, gemeinsam mit der Mama kleine, machbare Schritte zu finden, die Sheiyawas stärken und ihm guttun.

Familien, die jeden Tag ihr Bestes geben

Was mich heute ebenfalls sehr berührt hat, sind die Familien.

Beide Mamas kümmern sich liebevoll um ihre Kinder. Sie begleiten sie, versorgen sie und versuchen, ihnen unter den Bedingungen, in denen sie leben, ein gutes Leben zu ermöglichen.

Und trotzdem stoßen Familien mit einem behinderten Kind in Kolkata an viele Grenzen.

Therapie, Hilfsmittel, ärztliche Untersuchungen, besondere Ernährung und die notwendige Betreuung können erhebliche Kosten verursachen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten staatlicher Unterstützung für viele Familien begrenzt oder schwer zugänglich. Es gibt nicht überall die Versorgung, die ein Kind mit Behinderung eigentlich benötigen würde.

Eine Behinderung betrifft deshalb nicht nur das Kind. Sie verändert den gesamten Alltag einer Familie.

Eltern müssen häufig selbst herausfinden, wo sie Hilfe bekommen. Sie müssen Therapien organisieren, Hilfsmittel finanzieren und sich mit Herausforderungen auseinandersetzen, für die es kaum ausreichende Unterstützung gibt.

Genau hier möchten wir mit Naturheilpraxis ohne Grenzen ansetzen.

Nicht, weil wir alle Probleme lösen können. Sondern weil wir davon überzeugt sind, dass jedes Kind die Chance auf bestmögliche Förderung, liebevolle Begleitung und mehr Teilhabe verdient.